Aus der Restauratorenwerkstatt

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Ein stets dankbares Betätigungsfeld für penible Zeitgenossen ist die digitale Aufarbeitung alter Fotos. Für ein Biografie-Projekt hatte ich gerade ein sehr schönes Exemplar auf dem Tisch, um es auf Hochglanz zu polieren.

Ausgangsmaterial ist ein knapp DIN A4 großer Fotoabzug, eine nicht näher datierte oder beschriftete Studioszene. Als ich das Bild zum Scannen bekomme, ist es in der Mitte geknickt und auch sonst stark in Mitleidenschaft gezogen. Nach möglichst tonwerterhaltendem Einlesen ohne jegliche Korrektur im Scan-Programm sieht die Datei so aus (alle Bilder hier: Bildschirmfotos aus Photoshop):

Altes Foto reparieren. Status 1

Altes Foto reparieren. Status 1

Viele Kratzer und Knickspuren sind zu breit, als dass man die automatische Staub-und-Kratzer-Filterung verwenden könnte; diese müssen manuell bearbeitet werden, dazu kommen je nach Kontext unterschiedliche Korrekturwerkzeuge, manchmal auch der Klonstempel mit variabler Deckkraft (übers Grafiktablett) zum Einsatz. Ich bearbeite vorrangig die bildwichtigen Teile und entscheide mich dafür, zum Rand hin den alten Zustand zu erhalten. Zwischenstand nach einigen Stunden Handarbeit:

Altes Foto reparieren. Status 2

Altes Foto reparieren. Status 2

Danach wende ich auf die zahlreichen kleinen Unreinheiten das Staub-und-Kratzer-Filter an, und zwar mit etwas stärkeren Werten, als der Konturenschärfe zuträglich ist. Diese Bildebene wird anschließend mit geeigneten Pinseln so maskiert, dass filigrane Konturen erhalten bleiben, während die homogeneren Flächen des Bildes gründlich geputzt erscheinen:

Altes Foto reparieren. Status 3, Maske

Altes Foto reparieren. Status 3

Der nächste Schritt ist wiederum ziemlich zeitaufwendig, wobei diesmal der Prozessor mehr zu tun hat als der Bediener am Grafiktablett: Ich dupliziere den vorigen Zwischenstand in mehrere einzelne Ebenen, auf die ich unterschiedliche Scharfzeichnungsfilter anwende, einerseits mit sehr kleinen Wirkungsradien, aber hoher Intensität, andererseits mit geringer Stärke, aber riesigen Radien. Ersteres sorgt für den allgemeinen Schärfe-Eindruck, letzteres für mehr räumliche Tiefenwirkung. Nachdem ich die Ebenen wiederum geeignet maskiert habe, sieht das Bild so aus:

Altes Foto reparieren. Status 4

Abschließend nur noch etwas behutsame Tonwertanpassung mit einer Kurven-Einstellungsebene, und das Resultat ist vorzeigbar:

Altes Foto reparieren. Status 5

Altes Foto reparieren. Status 5

Hier noch ein hübsches Detail – das Bild ist voll von solchen Pretiosen:

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